Achtsamkeit? Kann ich (nicht)

Aktualisiert: 3. Jan 2019

Premierenalarm! Vorletzte Woche startete ich mit der wundervollen Chantal meinen allerersten Kurs. Dessen Thema? Achtsamkeit... Ausgerechnet!


„Ich bin die unachtsamste Person überhaupt!“, behauptete ich, völlig überfordert von unseren frisch gebackenen Plänen, als ich eine Freundin darin einweihte. Davon überzeugt war ich aus gutem Grund.


Regelmässig setze ich morgens, in aller Frische, mein Kafitassli an – und merke erst da, dass es längst leer ist. Manchmal steige ich auch aus dem Auto und habe keine Ahnung, wie ich hier hergekommen war. Kürzlich schloss ich sogar die Balkontür, bevor ich an einen Termin eilte – während mein rauchender Partner noch draussen war...


Warum also sollte ich an unserem ersten Kurs – ausgerechnet! – über Achtsamkeit sprechen? „Weil ein bewussteres Leben damit anfängt, achtsamer zu werden“, argumentierte Chantal – und sollte damit Recht behalten: Je vertrauter ich mich machte mit diesem Thema, umso wertvoller und dringlicher schien es mir.


„Achtsamkeit bedeutet, auf eine bestimmte Weise aufmerksam zu sein: bewusst, im gegenwärtigen Augenblick und ohne zu urteilen.“ Jon Kabat-Zinn

Da geht es also ums Präsent-sein im Hier und Jetzt. Ums Gedanken-Gedanken-sein-lassen und ums Wahrnehmen-was-ist. Ums Ankommen und Innehalten. „Achtsam ist“, realisierte ich, „wer einfach wahr- und alles so annimmt, wie es sich gerade präsentiert – ob es sich angenehm, neutral oder unangenehm anfühlt.“


"Der Chef hat einen schlechten Tag? So sei es! Schon wieder Stau auf dem Heimweg? Easy! Die Wäsche stapelt sich mal wieder? Auso!", quittieren Achtsame. Ganz anders die Situation, wenn ich nach innen horche. Da täubeled mein Kopf ganz gern auf heftigste, hält den Chef für einen Versager, die anderen Pendler ohnehin und mich für den grössten, weil ich die Waschmaschine erst dann vollstopfe, wenn die frischen Unterhosen alle sind.


Auch achtsame Menschen kennen Stress und Herausforderungen, werden krank oder verlieren ihre Liebsten. Auch sie kennen Schmerz, Trauer, Wut oder Angst. Was sie von anderen unterscheidet ist die Art und Weise, wie sie damit umgehen.


Selbst „unangenehme“ Gefühle lassen sie, in regelmässiger Praxis, ganz bewusst zu. Sie nehmen sich Zeit und lauschen nach Innen. Und erfahren so, dass Gefühle zwar kommen, aber auch wieder gehen – wenn man sie denn ziehen lässt. Streng wird es dann, spüren Achtsame, wenn man sie weghaben oder verdrängen will – und damit in sich gefangen hält.



Ich, als „unachtsamster Mensch überhaupt!“, kann das nur bestätigen. Aus mir sprach die pure Angst, als ich diesen Satz formulierte – die Angst mich zu zeigen, Fehler zu machen und zu versagen, wenn ich einen Kurs über Achtsamkeit leite. Dennoch liess ich geschehen, nahm meine Angst an die Hand und vertiefte mich ins Thema – und merkte so, dass ich viel achtsamer bin (und werden kann), als ich gedacht hatte.


Sehr nützlich, um immer öfter im Hier und Jetzt anzukommen, waren mir die Achtsamkeits-Übungen von Burkhard Heidenberger auf zeitblüten.de. Sie inspirierten mich, öfter inne zu halten, sei es beim Schlange-stehen oder Im-Zug-sitzen, und möglichst alles okay zu finden, was sich gerade zeigt, im Innen wie im Aussen.


Empfehlen kann ich auch, sich morgens am Chuchitisch so lange dem Käfele zu widmen, bis der letzte Schluck getrunken ist. Oder einen kurzen Blick auf den Balkon zu werfen, bevor man das Haus verlässt – und es "halb so tragisch!" zu finden, wenn man es doch einmal vergisst...


Welche Eigenschaft an dir hältst du für "schlimm"?

Welche Situationen bewertest du als "schlecht"?

Wann gelingt es dir besonders gut, wertfrei im Hier und Jetzt zu sein?


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Simone Ulrich

Küssnacht (SZ)

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